Südwestlich des Gardasees liegt Brescia, eine der schönsten Kulturstädte der Lombardei.
GESCHICHTE
Historiker gehen davon aus, daß die erste Besiedlung des Gebietes in der Bronzezeit (6. Jh. v Chr.) stattfand. Ausgrabungen haben bewiesen, daß danach die Kelten hier siedelten. In dieser Epoche entstand der Name der Stadt. 225 v. Chr. besiedelten die Römer die Region und nannten die Stadt Colonia civica Augusta Brixia. Der heutige Name Brescia wurde aller Wahrscheinlichkeit nach vom venezianischen Einfluss geprägt. Den Römer folgte Attila, die Lombarden, die Scalier, die Mailänder, die Venezier und danach kam Brescia unter österreichische Herrschaft. Im Juni 1859 besetzte Giuseppe Garibaldi die Stadt und vertrieb die Österreicher. Das brachte der Ortschaft den Beinamen Löwin Italiens (Leonessa d’Italia). Aus der keltischen und römischen Epoche, hat man einige gut erhaltene Monumente bei Ausgrabungen freilegen können. Darunter befinden sich mehrere komplette römische Wohnungen mit Wasserversorgungssystemen, fließend Wasser im Bad und Springbrunnen, sowie kunstvolle und präzise gefertigte Mosaikfußböden aus dem 3. Jahrhundert. Die Größe und Pracht der Räume zeugen von der hohen Wohnkultur der Römer. Man geht davon aus, daß die Römer schon ein Kanalsystem durch Brescia gebaut haben, welches im Mittelalter weiter ausgebaut wurde. Bei genauer Betrachtung des Stadtplans stellt man fest, daß die Straßenzüge immer noch rechtwinklig zueinander verlaufen. Sie wurden einst so von den Römern angelegt.
WAS ZU SEHEN
Im Ostteil der Stadt befand sich damals die ursprüngliche römische Siedlung. Die Via Musei führt direkt zum römischen Zentrum. Diese Straße muss einst der Abschluss des Decumanus gewesen sein. Hier befindet sich ein Ruinenfeld. Bei Ausgrabungen hat man die weitläufige Anlage eines kapitolischen Tempels (ca.73 bis 74 n.Chr.) freigelegt. Dahinter befand sich ein Forum. Markt- und Handelsplatz waren umgeben von Laubengängen, in denen sich zahlreiche Läden befanden. Ausgrabungen seit dem 19. Jahrhundert brachten den Tempel wieder an das Licht. In der Nähe des Tempels fand man die Bronzestatue Vittoria Alata, deren genauer Ursprung nicht bekannt ist. Wissenschaftler vermuten, dass es dich bei der weiblichen Statue mit Tunika um eine Darstellung der Aphrodite aus dem 3.Jahrhundert vor Christus handelt. Diese ist heute das Wahrzeichen der Stadt. Die Statue ist im Museum Santa Giulia ausgestellt. Östlich des Tempels befindet sich die Ausgrabungsstelle des antiken Theaters (Teatro Romano). Es wurde wahrscheinlich im 1.Jh.n.Chr. erbaut. Es konnte bislang leider nicht komplett ausgegraben werden. Bis ins 12. Jahrhundert hatte man auf der antiken Bühne Vorstellungen gegeben. Die römische Stadt wurde durch Stadtmauern begrenzt, deren Lage bis heute noch nachvollziehbar ist. Einige Ausgrabungsstücke, wie prächtige die Statue aus dem Tempel, Mosaikfussböden und Säulen, sind im Museum Santa Giulia (Via Musei), ausgestellt. Die Ausstellung ist in dem liebevoll restaurierten, mittelalterlichen ehemaligen Benediktinerkloster San Salvatore und Santa Giulia (753 gegründet), untergebracht. Gegründet wurde es vom König der Langobarden Desiderius. Das Kloster wurde einst auf den Überresten eines römischen Stadtviertels errichtet. Ausgefallene Exponate, machen einen Besuch zu einem eindrucksvollen Gang, durch die Geschichte. Die hier gezeigten Exponate, sind bei Ausgrabungen freigelegte Zeitzeugen, frühester Besiedlung. Säulen, prähistorische Funde, Skulpturen, Büsten, Schmuck, Münzen, kunstvolle Bodenmosaike und Gebrauchsgegenstände der ersten 10 Jahrhunderte n. Chr., bis hin zum Mittelalter. Der wertvollste Schatz des Museums, befindet sich in der Santa Maria in Solario. Das Desideriuskreuz (7. Jh.) und die Lypsanothek (4. Jh.). Die Lypsanothek ist ein Reliquienschrein, aus Elfenbein. Das Desideriuskreuz ist mit mehr als 200 wertvollen Edelsteinen verziert. Sehr sehenswert sind die Überreste des Castello von Brescia, welches man im Mittelalter, oberhalb der römischen Stadt, auf dem Hügel Colle Cidneo, errichtet hat. Ausgrabungen auf dem Cidneo Hügel haben bewiesen, dass es hier seit der Bronzezeit Siedler gab. Zur Zeit der Gallier soll es hier oben einen Tempel, der dem keltischen Gott Bergimus gewidmet war. Heute ist das Castello von Brescia mit seiner wunderschönen weiten Parkanlage, ein beliebtes Ausflugsziel. Besonders am Wochenende zieht es die Besucher in die grüne Lunge der Stadt. Vom Castello aus hat man eine tolle Aussicht, weit über die Stadt. Die Burg erreichen sie entweder vom Stadtzentrum aus zu Fuß (flache, feste Schuhe erforderlich) oder mit einem Fahrzeug. Einige hundert Meter westlich des römischen Ausgrabungsortes, befindet sich der Platz Piazza della Loggia, an der Porta Bruciata. Er ist einer der schönsten Plätze der Stadt. Der noble Platz wird von dem prächtigen Bau der Loggia (16. Jh.) beherrscht. Der reich verzierte Palast ist heute der Sitz der Gemeindeverwaltung, der Stadt. Das neue urbane Zentrum im Renaissancestil, wurde von den Venezianern geplant, als Gegenpol zum mittelalterlichen Domplatz. Oberhalb des Säulenganges, über dem östlichen Durchgang, befindet sich eine astronomische Sonnenuhr (16. Jh.) im Uhrenturm. Die komplizierte Zusammensetzung aus Sonnenuhr, Mechanismus, Ziffernblatt und Glockenschlag, machen diese Uhr zu etwas ganz besonderen. Die zwei Statuen an der Spitze des Turms, schlagen die Stunden. Der Uhrmechanismus ist seit der Herstellung noch immer voll in Betrieb. Der Uhrenturm ist eine Kopie, des Glockenturms auf dem Markusplatz, in Venedig. Einer der prächtigsten Plätze der Stadt ist der Domplatz von Brescia (Piazza Paolo VI.). Seiner Zeit (bis Mitte 15. Jh.) war dies der Platz des kirchlichen und politischen Geschehens. Bis zum 17.Jh. standen hier noch 3 romanische Monumentalbauten. Im Zuge der Barockmanie, wurde die Sommerkathedrale abgerissen. Stattdessen baute man den neuen Dom (1604 – 1825). Der prächtige Renaissance-Kreuzkuppelbau besticht seine Betrachter schon von weitem, mit der imposanten Fassade aus weißem Marmor und prägt heute das Bild des Domplatzes. Die Kuppel ist nach der des Petersdoms (Rom) und der Basilika Santa Maria del Fiore (Florenz), die drittgrößte Kuppe Italiens. Der Innenraum mit kreuzförmigem Grundriss, verbirgt einige wertvolle Meisterwerke, wie den Bogen der Santi Apollonio (1510), wertvolle Altäre, kunstvolle Fresken, Skulpturen und Büsten. Ein besonderes Erlebnis ist die Besichtigung des alten Doms (auch Rotonda genannt) aus dem 11 /12. Jahrhundert. Mit seinem runden Grundriss und seinem faszinierenden harmonischen Innenraum stellt er das bedeutendste romanische Bauwerk der Lombardei dar. Die wertvolle Bücherei des Doms, befindet sich direkt gegenüber inder Via Mazzini 1. Die Biblioteca Queriniana besitzt eine große Anzahl an Handschriften. Diese sind der Öffentlichkeit jedoch leider verborgen, dennoch lohnt ein Besuch der Bibliothek. Unmittelbar neben dem Dom befindet sich ein von außen schlicht anmutendes Gotteshaus. Die fast schmucklose, strenge Architektur ist für einen Dom dieser Zeit aussergewöhnlich und erinnert etwas an den Aachener Dom. Dennoch ist der alte Dom auch Rotonda (11.-12.Jh.) genannt, eine sehr eindrucksvolle romanischer Dom. Er wurde seinerzeit auf den Überresten einer Basilika aus dem 6.Jh.errichtet. Der Innenraum, des Domes Santa Maria Maggiore, mit rundem Grundriss ist mit kunstvollen Fresken geschmückt. Der alte Dom ist eines des bedeutendste romanischen Bauwerks der Lombardei. In der linken Kappelle der Heiligen Kreuze sind einige wertvolle Kunstwerke aufbewahrt. Seitlich der Treppe, sind zwei kleinere Treppen. Diese führen zur fünfschiffigen Krypta. Kunstvoll sind die Grabmäler dreier Bischöfe der Stadt. An der Piazza Moretto, findet man eine der wertvollsten Gemälde Sammlungen Oberitaliens. In der außergewöhnlichen Ausstellung befinden sich Gemälden der späten Antike, bis ins 19. Jh. Besonders bemerkenswert sind die Kunstwerke der Renesance. Die Kunstsammlung ist in dem Palazzo Martinengo da Barco (16.Jh.), der einflussreichen Familie Martinengo, der sogenannten Pinakothek Tosio Martinengo, untergebracht. Die Martinengo waren eine der einflussreichsten Familien Brescias. Bis in die heutige Zeit sind noch 18 Paläste der Familie in Brescia erhalten geblieben. Der letzte Nachfahre des Clans, Leopardo Martinengo da Barca, schenkte diese Paläste der Stadt Brescia. Die Kommune restaurierte de historisch wertvolle Bauten und machte einige von ihnen für die Öffentlichkeit zugänglich. Brescia ist nicht nur eine Stadt für Kulturbegeisterte, ein besonderes Highlight ist das alljährlich im Mai, stattfindende berühmte Oldtimerrennen (Fahrzeuge: Baujahr vor 1957) Mille Miglia (1000-Meilen-Rennen), dessen Start- und Zielpunkt Brescia ist. Die Tour geht von Brescia über Ferrara, durch die Toskana und Umbrien nach Rom und wieder zurück. 1927 hatte man das Mille Miglia ins Leben gerufen. Damals war es das Ziel die italienischen Automarken Alfa Romeo, Lancia und Ferrari bekannt, zu machen. Heute ist es ein Event der besonderen Art. Man trifft absolute Autofanatiker, begnadete Schrauber, Liebhaber der historischen Fahrzeuge, Rennfahrer aber auch den eupopäischen Jetset und die Highsociety. Auch auf der Startliste des legendären Oldtimer-Rennen, findet man zahlreiche Namen der internationalen Prominenz. 2004 eröffnete die Stadt das Museo Mille Miglia, etwas außerhalb der Stadt. Die Ausstellung zeigt kuriose Erinnerungen des 1000 Meilenrennes seit seiner Anfangszeit – eine Zeitreise in die Automobilgeschichte. Das Museum ist in der Klosteranlage Sant Eufemia della Fonte, gegründet im Jahre 1008, unterbracht.
WAS ZU TUN
Rund um das Castello hat sich die historische Stadt, mit engen Gassen und schönen Bauten gebildet. Hier ist immer was los. Dutzende von Geschäften und Lokale säumen die Strassen. Besonders quirlig geht es auf der Piazza del Mercato zu. Hier findet täglich ein Markt statt. Bei einem Besuch der Stadt, sollten sie mal über diese etwas andere Einkaufsstrasse laufen. Vor allem im Sommer, aber auch im Winter belebt ein Parcours kleiner Lokale mit im Freien aufgestellten Tischen, Ständen für die Happy Hour und erfüllt das Oval rund um die hübsch angelegte Parkanlage des Piazzale Arnaldo mit Stimmengewirr und fröhlichem Lachen, das sich im Lauf des Abends mit dem Rhythmus überall erklingender Musik vermischt. Die Bewohner Brescias frönen dem obligatorischen Brauch des Pirlo, des lokalen Aperitifs. Die angrenzende Piazzetta Tito Speri (an der Kreuzung von Via Musei mit der Via Beccaria und Via Sant’Agostino) blühen Gasthäuser im mittelalterlichen Stil, raffinierte Pubs, trendige Restaurants, Bed & Breakfast, Lounge-Bars,mit Tischen und Stühlen im Freien, um sich hier zu unterhalten oder einfach Herumzuschlendern und lokale Köstlichkeiten zu probieren. Hier findet sich für jeden Geschmack die richtige Gaumenfreude, und das in einem zweifellos sehr glamourösen Ambiente, das zugleich den Charme früherer Zeiten verströmt. Von den Ronchi-Hügeln führt eine Panoramastrasse auf den Monte Maddalena (874 m). Es geht auf den Monte Maddalena, den Berg der Brescianer. Seine 874 Meter Höhe bewältigt man schnell mit dem Auto (12 km, circa 15′), aber die meisten Brescianer genießen das Panorama von Wanderwegen oder (für die besonders Verwegenen und Trainierten) mit dem Fahrrad. Die Panoramastraße beginnt auf halbem Weg der Via Turati (zwei Schritte von Piazzale Arnaldo entfernt) und führt kurz darauf die Ronchi hinauf, die geliebten Brescianer Hügel. Über zahlreiche Kurven und Kehren geht es hinauf und schenkt den Blick auf Weinlauben, Gärten, Palazzi früherer Zeiten, das Kirchlein San Fiorano und das merkwürdige neogotische Grabmal des Cane. In der Ortschaft Medaglioni angekommen, wird die Via Panoramica zur Via San Gottardo und ab hier beginnen die Wälder. Die Häuser werden weniger und es macht sich eine Stimmung breit, die schon die Stille der Berge ankündigt. Mit etwas Glück sieht man im Norden den Monte Guglielmo (1957 m); im Westen die Voralpen der Gegend um Bergamo mit der Presolana; weiter hinten die Piemonteser Alpen mit dem Monte Rosa und im Süden die Ebene, die bis zum Apennin reicht. Im Osten den südlichen Gardasee, das Vorgebirge von Sirmione, den Golf von Desenzano und die Hügel. Wer gerne wandert, findet hier unzählige Trekkingpfade, um bergauf und bergab durch diese eindrucksvollen Wälder zu streifen. Die Maddalena ist auch der ideale Ort für alle Drachenflieger: Man kann von verschiedenen Lichtungen abheben.